Jugendbeteiligung – was wir darunter verstehen

Wenn einen Menschen in seiner Umgebung, in seinem unmittelbaren Lebensumfeld etwas stört, kann er wegschauen und es ignorieren, sich mit der Situation arrangieren und resignieren. Oder aber aktiv werden und das Problem angehen. Wie können Jugendliche daran mitwirken und solche Themen mitbearbeiten? Warum sollte darauf größtes Augenmerk gelegt werden?

Jugendliche haben eigene Sichtweisen und Vorstellungen; sie wissen selbst am besten, was sie interessiert und was sie sich wünschen. Darum sollten sie selbst als Betroffene auch an Entscheidungen über ihre Belange mitwirken, denn aktive Jugendliche von heute sind das Fundament der Bürgergesellschaft von morgen.

Nach einem von Roger Hart und Wolfgang Gernert entwickelten Modell kann man den Grad der Beteiligung von Jugendlichen in acht verschiedene Stufen einteilen. Während die ersten drei Stufen nirgendwo ein sinnvolles Ziel darstellen können, weil bei ihnen Kinder und Jugendliche manipuliert werden, nur Dekorationsmittel, beziehungsweise nur scheinbar beteiligt sind, denn ihre Ergebnisse und Meinungen haben letztlich nachhaltig keinen Einfluss, muss man ab der vierten Stufe differenzieren.

Wenn in einer Kommune, einem Projekt oder anderswo, von Jugendbeteiligung die Rede sein soll, gilt es einige Rahmenbedingungen zu beachten. Abhängig von Alter, Vorerfahrungen, Methodenkenntnissen und weiteren Faktoren können Jugendliche unterschiedlich stark beteiligt werden bzw. sein. Wenn von Jugendlichen erarbeitete und mitgestaltete Ergebnisse und Meinungen in darauffolgende Prozesse in erwachsener Hand miteinbezogen werden und dann noch eine relevante Rolle spielen, sind weitere Stufen der Beteiligung erreicht.

In den höchsten Stufen der Beteiligung haben Jugendliche über den ganzen Prozess hinweg reelle Mitbestimmungsmöglichkeiten, setzen selbsttätig ein ganzes Projekt oder eine langfristige Initiative ohne Einbezug Erwachsener um oder entwickeln und führen Projekte und Initiativen gemeinsam mit Erwachsenen durch, haben dabei aber nicht nur Mitbestimmungsrechte, sondern arbeiten über den ganzen Zeitraum auf gleicher Augenhöhe mit den selben Rechten und Pflichten wie Erwachsene.

Die Servicestelle Jugendbeteiligung fühlt sich den letztgenannten Stufen verpflichtet. Sie hilft Jugendlichen dabei, eigene Projekte und Initiativen auf den Weg zu bringen, indem sie sie berät, qualifiziert, vernetzt und unterstützt. Gemeinsam mit Organisationen und Projekten entwickeln wir Formen der Jugendbeteiligung, die auf die jeweiligen Bedingungen Bezug nehmen und eingehen. Weitere Informationen zu den Tätigkeiten der Servicestelle Jugendbeteiligung finden sie hier.

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