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Gene­ra­ti­ons­ver­hält­nisse in poli­ti­scher Bildung

Dass erwach­sene Akteur*innen mit dem Format des Kinder- und Jugend­par­la­ments über­for­dert sind, liegt weniger am Enga­ge­ment junger Menschen als an den struk­tu­rel­len und kultu­rel­len Bedin­gun­gen, in denen diese Formate statt­fin­den. Kinder- und Jugend­par­la­mente orien­tie­ren sich häufig an parla­men­ta­ri­schen Abläu­fen der Erwach­se­nen­welt: Es gibt Anträge, Geschäfts­ord­nun­gen, Ausschüsse und formale Entschei­dungs­pro­zesse. Für viele Erwach­sene bedeu­tet das zunächst zusätz­li­chen orga­ni­sa­to­ri­schen Aufwand. Gleich­zei­tig geraten sie in eine unge­wohnte Rolle. Sie sollen mode­rie­ren, beglei­ten und ermög­li­chen, ohne selbst die Rich­tung vorzu­ge­ben. Diese Verschie­bung von Kontrolle hin zu geteil­ter Verant­wor­tung kann verun­si­chern, insbe­son­dere wenn unklar ist, wie viel Entschei­dungs­spiel­raum tatsäch­lich einge­räumt werden darf oder soll. Hinzu kommen knappe Ressour­cen, Zeit­druck in Verwal­tun­gen und fehlende Quali­fi­zie­rung für betei­li­gungs­ori­en­tierte Prozesse. Über­for­de­rung entsteht somit nicht, weil junge Menschen „zu viel“ wollen, sondern weil bestehende Struk­tu­ren nicht ausrei­chend auf echte Macht­tei­lung vorbe­rei­tet sind.

Diese Dynamik wird zusätz­lich durch erwach­sene Diagno­sen zum Zustand der Gesell­schaft beein­flusst. Viele Entscheidungsträger*innen erleben poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Entwick­lun­gen als krisen­haft: Pola­ri­sie­rung, Vertrau­ens­ver­lust in Insti­tu­tio­nen, finan­zi­elle Engpässe oder stei­gen­der Verwal­tungs­druck prägen ihren Arbeits­all­tag. Wenn Erwach­sene selbst Ohnmacht empfin­den, neigen sie dazu, Hand­lungs­spiel­räume zu sichern, statt sie zu öffnen. Betei­li­gung junger Menschen wird dann schnell pädago­gisch gerahmt, als Lern­feld für Demo­kra­tie, aber nicht als tatsäch­li­cher Ort demo­kra­ti­scher Mitent­schei­dung. Unter dem Eindruck gesell­schaft­li­cher Unsi­cher­heit entsteht das Argu­ment, junge Menschen müssten erst Kompe­ten­zen erwer­ben, bevor sie Verant­wor­tung über­neh­men können. So werden Betei­li­gungs­for­mate begrenzt, Entschei­dun­gen vorstruk­tu­riert oder Ergeb­nisse rela­ti­viert. Die Ohnmachts­per­spek­ti­ven Erwach­se­ner wirken damit indi­rekt als Bremse für echte Partizipation.

Hier bietet die Forschung zu Adul­tis­mus wich­tige Anhalts­punkte. Adul­tis­mus beschreibt struk­tu­relle Macht­un­gleich­hei­ten zwischen Erwach­se­nen und jungen Menschen. Er zeigt sich dort, wo Alter auto­ma­tisch mit höherer Kompe­tenz, Ratio­na­li­tät oder Verant­wor­tungs­fä­hig­keit gleich­ge­setzt wird. In solchen Logiken werden Perspek­ti­ven junger Menschen entwer­tet oder ledig­lich symbo­lisch berück­sich­tigt. Demge­gen­über betont die Forschung zu soge­nann­ten Youth-Adult-Part­­ner­­ships, dass Zusam­men­ar­beit auf Augen­höhe möglich ist, wenn Macht bewusst geteilt wird. Erfolg­rei­che Koope­ra­tio­nen zeich­nen sich durch trans­pa­rente Entschei­dungs­struk­tu­ren, klare Verant­wort­lich­kei­ten, gegen­sei­tige Aner­ken­nung von Erfah­rungs­wis­sen und konti­nu­ier­li­che Refle­xion von Macht­po­si­tio­nen aus. Entschei­dend ist, dass Betei­li­gung nicht als vorbe­rei­tende Übung für „später“ verstan­den wird, sondern als demo­kra­ti­sches Recht im Hier und Jetzt.

Die Über­win­dung des beschrie­be­nen gesell­schaft­li­chen Zustands erfor­dert daher mehr als einzelne Projekte oder wohl­mei­nende Absichts­er­klä­run­gen. Es braucht insti­tu­tio­nelle Verän­de­run­gen, verläss­li­che Ressour­cen, Quali­fi­zie­rung für Fach­kräfte und eine Kultur, in der Macht­tei­lung nicht als Risiko, sondern als demo­kra­ti­sche Stärke begrif­fen wird. Kinder- und Jugend­par­la­mente sind letzt­lich ein Prüf­stein dafür, wie ernst eine Gesell­schaft es mit Parti­zi­pa­tion meint. Die zentrale Frage lautet nicht, ob junge Menschen bereit sind, Verant­wor­tung zu über­neh­men, sondern ob Erwach­sene bereit sind, Verant­wor­tung mit ihnen zu teilen.

Gene­ra­ti­ons­ver­hält­nisse in poli­ti­scher Bildung

Dass erwach­sene Akteur*innen mit dem Format des Kinder- und Jugend­par­la­ments über­for­dert sind, liegt weniger am Enga­ge­ment junger Menschen als an den struk­tu­rel­len und kultu­rel­len Bedin­gun­gen, in denen diese Formate statt­fin­den. Kinder- und Jugend­par­la­mente orien­tie­ren sich häufig an parla­men­ta­ri­schen Abläu­fen der Erwach­se­nen­welt: Es gibt Anträge, Geschäfts­ord­nun­gen, Ausschüsse und formale Entschei­dungs­pro­zesse. Für viele Erwach­sene bedeu­tet das zunächst zusätz­li­chen orga­ni­sa­to­ri­schen Aufwand. Gleich­zei­tig geraten sie in eine unge­wohnte Rolle. Sie sollen mode­rie­ren, beglei­ten und ermög­li­chen, ohne selbst die Rich­tung vorzu­ge­ben. Diese Verschie­bung von Kontrolle hin zu geteil­ter Verant­wor­tung kann verun­si­chern, insbe­son­dere wenn unklar ist, wie viel Entschei­dungs­spiel­raum tatsäch­lich einge­räumt werden darf oder soll. Hinzu kommen knappe Ressour­cen, Zeit­druck in Verwal­tun­gen und fehlende Quali­fi­zie­rung für betei­li­gungs­ori­en­tierte Prozesse. Über­for­de­rung entsteht somit nicht, weil junge Menschen „zu viel“ wollen, sondern weil bestehende Struk­tu­ren nicht ausrei­chend auf echte Macht­tei­lung vorbe­rei­tet sind.

Diese Dynamik wird zusätz­lich durch erwach­sene Diagno­sen zum Zustand der Gesell­schaft beein­flusst. Viele Entscheidungsträger*innen erleben poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Entwick­lun­gen als krisen­haft: Pola­ri­sie­rung, Vertrau­ens­ver­lust in Insti­tu­tio­nen, finan­zi­elle Engpässe oder stei­gen­der Verwal­tungs­druck prägen ihren Arbeits­all­tag. Wenn Erwach­sene selbst Ohnmacht empfin­den, neigen sie dazu, Hand­lungs­spiel­räume zu sichern, statt sie zu öffnen. Betei­li­gung junger Menschen wird dann schnell pädago­gisch gerahmt, als Lern­feld für Demo­kra­tie, aber nicht als tatsäch­li­cher Ort demo­kra­ti­scher Mitent­schei­dung. Unter dem Eindruck gesell­schaft­li­cher Unsi­cher­heit entsteht das Argu­ment, junge Menschen müssten erst Kompe­ten­zen erwer­ben, bevor sie Verant­wor­tung über­neh­men können. So werden Betei­li­gungs­for­mate begrenzt, Entschei­dun­gen vorstruk­tu­riert oder Ergeb­nisse rela­ti­viert. Die Ohnmachts­per­spek­ti­ven Erwach­se­ner wirken damit indi­rekt als Bremse für echte Partizipation.

Hier bietet die Forschung zu Adul­tis­mus wich­tige Anhalts­punkte. Adul­tis­mus beschreibt struk­tu­relle Macht­un­gleich­hei­ten zwischen Erwach­se­nen und jungen Menschen. Er zeigt sich dort, wo Alter auto­ma­tisch mit höherer Kompe­tenz, Ratio­na­li­tät oder Verant­wor­tungs­fä­hig­keit gleich­ge­setzt wird. In solchen Logiken werden Perspek­ti­ven junger Menschen entwer­tet oder ledig­lich symbo­lisch berück­sich­tigt. Demge­gen­über betont die Forschung zu soge­nann­ten Youth-Adult-Part­­ner­­ships, dass Zusam­men­ar­beit auf Augen­höhe möglich ist, wenn Macht bewusst geteilt wird. Erfolg­rei­che Koope­ra­tio­nen zeich­nen sich durch trans­pa­rente Entschei­dungs­struk­tu­ren, klare Verant­wort­lich­kei­ten, gegen­sei­tige Aner­ken­nung von Erfah­rungs­wis­sen und konti­nu­ier­li­che Refle­xion von Macht­po­si­tio­nen aus. Entschei­dend ist, dass Betei­li­gung nicht als vorbe­rei­tende Übung für „später“ verstan­den wird, sondern als demo­kra­ti­sches Recht im Hier und Jetzt.

Die Über­win­dung des beschrie­be­nen gesell­schaft­li­chen Zustands erfor­dert daher mehr als einzelne Projekte oder wohl­mei­nende Absichts­er­klä­run­gen. Es braucht insti­tu­tio­nelle Verän­de­run­gen, verläss­li­che Ressour­cen, Quali­fi­zie­rung für Fach­kräfte und eine Kultur, in der Macht­tei­lung nicht als Risiko, sondern als demo­kra­ti­sche Stärke begrif­fen wird. Kinder- und Jugend­par­la­mente sind letzt­lich ein Prüf­stein dafür, wie ernst eine Gesell­schaft es mit Parti­zi­pa­tion meint. Die zentrale Frage lautet nicht, ob junge Menschen bereit sind, Verant­wor­tung zu über­neh­men, sondern ob Erwach­sene bereit sind, Verant­wor­tung mit ihnen zu teilen.

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