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Projekte inklusiv gestalten

Wie wir ein Projekt inklusiv machen

Wichtig für ein gelungenes Projekt ist eure eigene Haltung zu Themen, für die ihr euch engagieren möchtet. Daher ist es wichtig, sich erst einmal selbst die Fragen zu stellen: Was ist Inklusion eigentlich für mich? Was bedeutet Barrierefreiheit?


Um euch ein paar Denkanregungen zu geben, hier mal eine ganz allgemeine Definition von Inklusion. Laut Aktion Mensch sprechen wir dann von Inklusion, wenn alle Menschen die Gesellschaft gleichberechtigt mitgestalten können und es keine Unterteilung in ein „Wir“ und „die Anderen“ mehr gibt. Das heißt, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhalten sollte, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

“Wenn Inklusion ein Haus ist, dann ist Barrierefreiheit nicht die Dekoration, sondern das Fundament.”

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 hat sich Deutschland dazu verpflichtet, mehr Möglichkeiten zur Teilhabe zu schaffen. Dazu zählt der Zugang zu Sport- und Freizeitangeboten und zu Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt ebenso wie das gemeinsame Lernen in der Schule und ein barrierefreies Reisen im öffentlichen Nahund Fernverkehr. Für die Umsetzung sind wir alle verantwortlich und deshalb ist es umso schöner und wichtiger, dass ihr in euren Projekten Inklusion mitdenkt und unterstützt, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben können.

ABER WODURCH WIRD MEIN PROJEKT
EIGENTLICH WIRKLICH INKLUSIV?

Um euch den Durchblick ein bisschen zu erleichtern, haben wir Qualitätskriterien für inklusive Projekte zusammengetragen, an denen ihr euch entlanghangeln könnt.


1. Eure eigene Haltung
Wie eben angesprochen, ist euer inklusives Selbstverständnis eine ganz wesentliche Voraussetzung. Als Projektentwickler*innen solltet ihr mit gutem Beispiel vorangehen und uneingeschränkte Teilhabe und Offenheit selbst vorleben. Ein respektvoller Umgang sowohl im Team als auch mit allen anderen Beteiligten gehört beispielsweise ebenso dazu wie das Feedback eurer Teilnehmer*innen zu hören und zu berücksichtigen. Klingt selbstverständlich, ist es jedoch leider nicht immer. Eure Grundhaltung gegenüber den Menschen, die euer Projekt wahrnehmen sollen, ist das zentrale Kriterium.

2. Partizipation heißt mehr als nur mitmachen
Außerdem sind Mitgestaltungsmöglichkeiten sehr wichtig. Euer Projekt sollte Mitbestimmungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für alle schaffen. Wie so etwas aussehen kann? Ihr plant zum Beispiel einen Schüler*innen-Austausch nach Südfrankreich und steckt voll in der Planungsphase. Wer kommt mit? Wie sieht das Programm aus? Was brauchen wir noch? Euch rauchen die Köpfe… Hier wäre ein toller Moment, Menschen, die an diesem Austausch teilnehmen könnten, selbst zu befragen und die Möglichkeit zu geben, Dinge selbst mitgestalten zu können. Vielleicht werdet ihr auf die ein oder andere Idee gebracht, die ihr im Stress total vergessen hättet. Zusätzlich habt ihr wertvolle Kontakte geknüpft und vielleicht schon interessierte Teilnehmer*innen gewonnen. Außerdem ist es hilfreich, Menschen mit Behinderung explizit zu fragen, was sie brauchen, um an eurem Austausch teilnehmen zu können. Scheut euch nicht! Sie wissen meist selbst am besten, was sie wollen, und freuen sich über eure Offenheit. So wird das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung gefördert und die Teilnahme für alle attraktiv.

3. Antidiskriminierung auf allen Ebenen
Antidiskriminierung bedeutet, keine exklusiven Veranstaltungen zu planen, von denen bestimmte Menschengruppen automatisch ausgeschlossen werden. Inklusive Projekte sollten unabhängig von Faktoren wie sozialem Status, Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder eben Behinderung sein. Reflektiert also auch hier wieder euer Auftreten und die Kommunikation nach außen durch Flyer, Werbung o.ä. Sehr wichtig sind hier die Sprache und die Bilder, die ihr zur Darstellung verwendet. Ist die Veranstaltung oder auch die Werbung zugänglich und verständlich für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder für Menschen, die gehörlos oder blind sind? Ist der Veranstaltungsort barrierefrei? Sprecht ihr Männer und Frauen an?

WIE GEHT INKLUSION?

Doch wie kann ich nun Inklusion auch in meinem Projekt umsetzen? Wir haben euch einige Ideen und Hilfestellungen zusammengetragen.


1. Bilder und Sprache

Wenn ihr verschiedene Menschen ansprechen wollt, ist es wichtig zu überlegen, wie ihr möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen erreichen könnt. Einige hilfreiche Tipps und Tricks gibt es hier:

Leichte Sprache
Um vielen Menschen den Zugang zu euren Materialien zu ermöglichen, ist es toll, zumindest einen Teil davon in sogenannter “leichter Sprache” zu verfassen. Leichte Sprache geht auf die US-amerikanische Organisation People First zurück, die die Idee des Easy Read 1996 entwickelte. Dies ist nützlich für „Menschen mit Lernschwierigkeiten, für Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen oder „Menschen, die nicht so gut lesen können.
Die wichtigsten Regeln sind:
• kurze Sätze bilden (z.B. Wir treffen uns morgen und stimmen über das Projekt ab
→ leichter: Wir treffen uns morgen. Dann stimmen wir über das Projekt ab.)
• bekannte Wörter verwenden (z.B. Workshop → leichter: Arbeitsgruppe)
• positive Sprache benutzen (z.B. Peter ist nicht gesund → leichter: Peter ist krank)
• Ziffern statt Worte verwenden(z.B. fünf Menschen → leichter: 5 Menschen)

Wording für Menschen mit Behinderung
Einige Begriffe verwenden wir ganz selbstverständlich im Alltag und denken nicht darüber nach, dass Menschen dadurch verletzt werden könnten. Hier einige Formulierungsvorschläge:

Lieber NichtBesser So
Person XY leidet
an...
Person XY lebt mit der
Krankheit ABC…/hat
die Behinderung ABC
gesund/normal vs.
krank
nichtbehindert vs.
behindert
trotz/aufgrund
seiner*ihrer
Behinderung
mit seiner*ihrer
Behinderung
geistige
Behinderung
Mensch mit
Lernschwierigkeiten
Person XY ist an den
Rollstuhl gefesselt
Person XY sitzt,
benutzt oder fährt
Rollstuhl
der/die BehinderteMensch mit
Behinderung/
behinderter Mensch
taubstummtaub, gehörlos

Gendern
Oft könnt ihr in Texten “Teilnehmer” oder “Schüler” lesen. Damit werden jedoch nur Jungen und Männer angesprochen, aber weder Mädchen und Frauen noch Personen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen. Um alle mit einzubeziehen und damit sie sich auch wirklich angesprochen fühlen, ist es wichtig, gendergerechte Sprache zu verwenden.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
• Unterstrich “_”: Teilnehmer_innen, Schüler_innen
• Sternchen “*”: Teilnehmer*innen, Schüler*innen
• neutrale Wörter (gibt es nicht immer): Teilnehmende

Bilder
Um eure Artikel/Werbung/Texte noch eindrucksvoller zu gestalten, ist es schön, Bilder zu verwenden. Damit auch blinde Menschen daran teilhaben können, gibt es in vielen social media-Portalen die Möglichkeit, das Bild in einer Zeile darunter zu beschreiben. Dies können sich blinde Menschen vorlesen lassen und somit auch erfahren, was abgebildet wird. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen ist es gut, bei Fotos auf hohen Kontrast zu achten, besonders wenn ihr Schrift einfügt (also am besten helle Schrift auf dunklem Hintergrund oder dunkle Schrift auf hellem Hintergrund).

Videos
Videos sind eine tolle Möglichkeit, um euer Projekt vorzustellen oder schöne Erlebnisse festzuhalten. Damit gehörlose Menschen mitverfolgen können, um was es geht, oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen besser mitkommen, ist es wichtig, Untertitel einzubauen, also den gesprochenen Text unten einzublenden.



2. Barrierefreiheit

Ihr habt eine Veranstaltung und wollt richtig viele Menschen einladen? Dann gibt es hier einige hilfreiche Infos zu Barrierefreiheit, um allen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. Am besten fragt ihr schon bei der Einladung, ob Teilnehmende besondere Bedürfnisse haben, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Räumlichkeiten
Damit sich viele Menschen, auch z.B. mit Rollstuhl, bei eurer Veranstaltung frei bewegen können, ist die Auswahl der Räume sehr wichtig. Ein paar Eckpunkte sind:
• Treppen: Gibt es Aufzüge oder Rampen?
• Toiletten: Sind diese gut erreichbar? Sind sie barrierefrei?
• Türen: Sind sie breit genug für einen Rollstuhl? Öffnen sie sich leicht/ automatisch?
Noch viel mehr hilfreiche Veranstaltungstipps findet ihr hier.

Unterwegs
Ihr plant einen Ausflug und fragt euch, welche Orte barrierefrei sind? Im Internet findet ihr eine Karte, in der viele Restaurants/Parkhäuser/öffentliche Toiletten etc. nach ihrer Barrierefreiheit bewertet werden. Wenn ihr einen Ort besucht, der noch nicht auf der Karte zu finden ist, könnt ihr den übrigens auch noch eintragen!


Dieser Text ist Teil des Handbuchs „Mit Wissen mitwirken“, welches wir gemeinsam mit dem Freiwilligen Jahr Beteiligung erarbeitet haben. Das gesamte Handbuch bekommst du digital automatisch als Dankeschön, wenn du unseren monatlichen Newsletter abonnierst. Unter mitwirken@jugendbeteiligung.info kannst du zudem einzelne Printexemplare bestellen. Die Texte sind allesamt unter CC BY 4.0-Lizenz erschienen und können entsprechend verwendet werden.